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Warum ich ChatGPT nicht mehr nutze — und was der Pentagon-Deal für Schweizer KMU bedeutet

Ende Februar 2026: OpenAI unterschreibt beim Pentagon

Am 28. Februar 2026 hat OpenAI einen Deal mit dem US-Verteidigungsministerium unterschrieben. Die Modelle hinter ChatGPT werden in klassifizierten Militärnetzwerken eingesetzt.

Das kam nicht aus dem Nichts.

Anthropic — das Unternehmen hinter Claude — hatte den gleichen Deal abgelehnt. Der Grund: Sie wollten vertraglich garantiert haben, dass ihre Technologie nicht für Massenüberwachung amerikanischer Bürger oder für vollautonome Waffen eingesetzt wird.

Das Pentagon wollte diese Einschränkungen nicht akzeptieren. Präsident Trump ordnete an, dass alle Bundesbehörden Anthropic-Produkte sofort einstellen. Verteidigungsminister Hegseth bezeichnete Anthropic als “Lieferkettenrisiko für die nationale Sicherheit”.

Stunden später hatte OpenAI den Vertrag.

Was steht im Deal?

OpenAI sagt, der Vertrag enthält Schutzklauseln:

Klingt gut auf dem Papier. Aber: Der Vertrag erlaubt die Nutzung für “alle rechtmässigen Zwecke” (all lawful purposes). Kritiker — darunter Techdirt-Gründer Mike Masnick — argumentieren, dass diese Formulierung Spielraum für Überwachung lässt, besonders unter Executive Order 12333, die der NSA erlaubt, Kommunikation ausserhalb der USA abzufangen — auch wenn US-Bürger betroffen sind.

Sam Altman selbst hat zugegeben, dass der Deal “definitiv überstürzt” war und “die Optik nicht gut aussieht”.

Warum ich persönlich gewechselt habe

Ich bin kein Aktivist. Ich bin Praktiker. Ich nutze KI jeden Tag, um produktiv zu arbeiten — für mich und für meine Kunden.

Bis Februar 2026 war ChatGPT mein Hauptwerkzeug. Danach nicht mehr.

Heute nutze ich:

Warum Claude und nicht mehr ChatGPT?

  1. Haltung des Unternehmens. Anthropic hat einen 200-Millionen-Dollar-Vertrag abgelehnt, weil sie ihre Prinzipien nicht aufgeben wollten. OpenAI hat den gleichen Vertrag Stunden später unterschrieben. Für mich sagt das etwas über die Werte der Unternehmen aus — und damit über die Richtung, in die sich ihre Produkte entwickeln.

  2. Qualität. Claude ist bei langen Texten, komplexen Analysen und strukturiertem Arbeiten meiner Erfahrung nach besser. Weniger Halluzinationen, weniger Schmeichelei, direktere Antworten.

  3. Datenschutz-Signal. Wenn ich KMU berate, KI sicher einzusetzen, kann ich nicht gleichzeitig ein Tool empfehlen, dessen Anbieter Modelle für militärische Klassifizierungssysteme liefert.

Das heisst nicht, dass ChatGPT ein schlechtes Produkt ist. Es heisst, dass ich für meine Arbeit und meine Kunden eine bewusstere Wahl treffen will.

Was bedeutet das für Schweizer KMU?

Die meisten KMU denken beim Pentagon-Deal: “Das betrifft uns nicht, wir sind in der Schweiz.”

Das stimmt nur teilweise.

Das DSG schützt — aber nur wenn Sie es auch anwenden

Das Schweizer Datenschutzgesetz (DSG) verlangt, dass Sie wissen, wo Ihre Daten verarbeitet werden und zu welchem Zweck. Wenn Ihre Mitarbeitenden Kundendaten in ChatGPT eingeben, landen diese auf Servern eines Unternehmens, das seine Modelle dem US-Militär zur Verfügung stellt.

Ist das ein konkretes Risiko? Wahrscheinlich nicht direkt. Aber es ist ein Vertrauensproblem — gegenüber Ihren Kunden, Ihren Mitarbeitenden und potenziell gegenüber Aufsichtsbehörden.

”All lawful purposes” ist kein Schweizer Standard

Die Formulierung all lawful purposes im Pentagon-Vertrag orientiert sich an US-Recht. Das Schweizer DSG hat andere Massstäbe. Für ein Schweizer KMU sollte die Frage nicht sein: “Ist es legal?” Sondern: “Würde ich das meinen Kunden erklären wollen?”

Die praktische Lösung existiert bereits

Sie müssen ChatGPT nicht komplett aufgeben. Aber Sie sollten eine klare Linie ziehen:

AufgabeChatGPT direktEnterprise-Plattform (EU-gehostet)
Allgemeine RechercheAkzeptabelBesser
E-Mail-Entwürfe (intern)AkzeptabelBesser
Kundendaten verarbeitenNeinJa
Interne StrategiedokumenteNeinJa
Vertrauliche AnalysenNeinJa

Was ich meinen Kunden empfehle

Drei konkrete Schritte:

1. Bestandsaufnahme machen. Fragen Sie Ihr Team: Wer nutzt welche KI-Tools? Mit welchen Daten? Sie werden überrascht sein. In den meisten KMU nutzen 30-50% der Mitarbeitenden bereits ChatGPT — oft ohne Wissen der Geschäftsleitung.

2. Leitplanken setzen. Erstellen Sie eine KI-Nutzungsrichtlinie. Muss nicht 20 Seiten sein. 2 Seiten reichen: Was darf rein, was nicht. Welche Tools sind erlaubt. Wer ist verantwortlich.

3. Auf eine sichere Plattform wechseln. Es gibt Enterprise-Lösungen, die Claude, ChatGPT und Gemini über ein einziges Interface anbieten — EU-gehostet, DSG-konform, mit Admin-Kontrolle. Ihr Team bekommt die gleiche Leistung, aber Sie behalten die Kontrolle über die Daten.

Die grössere Frage

Der Pentagon-Deal ist ein Symptom, kein Einzelfall. Die KI-Branche bewegt sich in eine Richtung, in der militärische und kommerzielle Nutzung verschmelzen. OpenAI hat gleichzeitig mit dem Pentagon-Deal eine Finanzierungsrunde über 110 Milliarden Dollar abgeschlossen — bei einer Bewertung von 840 Milliarden.

Für Schweizer KMU bedeutet das: Die Tools, die Sie heute nutzen, werden morgen für Zwecke eingesetzt, die Sie vielleicht nicht unterstützen würden. Das ist kein Grund zur Panik. Aber ein guter Grund, bewusste Entscheidungen zu treffen.

Anthropic hat gezeigt, dass es auch anders geht. Sie haben Nein gesagt — und dafür einen hohen Preis bezahlt. Claude wurde aus allen US-Bundesbehörden verbannt. Aber für Unternehmen, die Wert auf Datenschutz und ethische KI legen, ist das ein starkes Signal.

Mein Fazit

Ich nutze Claude. Nicht weil es perfekt ist. Sondern weil ich wissen will, wofür das Unternehmen hinter meinem Werkzeug steht.

Für meine tägliche Arbeit — Texte, Code, Automationen, Beratung — ist Claude mindestens gleichwertig, in vielen Bereichen besser. Und ich kann meinen Kunden mit gutem Gewissen sagen: Das Tool, das ich Ihnen empfehle, wurde nicht im selben Atemzug an das US-Militär lizenziert.

Das ist kein moralisches Urteil über OpenAI. Das ist eine geschäftliche Entscheidung. Und genau so sollten Sie es auch sehen.


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